Pinnwand – Schreiben Sie uns Ihre Gedanken

Die Pinnwand gibt die Möglichkeit hier Gedanken zu dieser Ausstellung zu schreiben. Wir freuen uns auf Ihren Kommentar! In der Ausstellung 2004 konnten beschriftete Blätter an das Dach einer Laubhütte geheftet werden. Hier würden Sie ein „virtuelles Blatt“ erstellen und anheften.

Die Laubhütte als Erinnerung an den Weg aus der ägyptischen Gefangenschaft

Nach der letzten Ernte feiern Juden das Laubhüttenfest. Dazu wird im Garten oder auf dem Balkon gewerkelt und gezimmert. Eine Hütte entsteht – aber sie bekommt kein festes Dach, sondern wird lediglich mit Zweigen bedeckt, damit der Himmel und die Sterne hindurchscheinen können.

Während dieser Festwoche verbringen Juden auch heute noch viel Zeit in ihrer Laubhütte, die Sukka genannt wird. Sie nehmen dort die Mahlzeiten ein, laden Freunde ein und freuen sich über die Wohltaten Gottes. Das Laubhüttenfest bildete den Abschluss der Erntearbeiten. Wenn die letzte Ernte eingebracht ist, konnte man sich beruhigt zurücklehnen und in die Zukunft blicken.

Die unvollkommene Hütte erinnert auch an die Zeit der Wüstenwanderung, als die Israeliten keine feste Bleibe hatten und ganz auf Gottes Führung und Fürsorge angewiesen waren.

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5 Einträge
Angela Platsch Angela Platsch
Eine sehr beeindruckende Ausstellung, auch wenn diese derzeit nur virtuell möglich ist. Besonders die Biographien gehen unter die Haut. Ich wünsche mir, dass viele Menschen diese Aufzeichnungen lesen und so endlich verstanden wird, dass es rechte Strömungen und Parteien nicht mehr geben darf.
Katja Morkel Katja Morkel
Vielen Dank für die Recherche und die anschauliche Website!
Besonders die persönlichen Schicksale helfen, das Ausmaß der Barbarei zu verstehen.Ich hoffe viele - auch viele Jugendliche- beschäftigen sich weiter mit diesem trauigen Kapitel unserer Stadtgeschichte.
K. Morkel / geb. in Coburg
Andrea levy Andrea levy
Das ist eine zweite Schulaufgabe auch in erster Person erzählt

The following is the life story of Edith Levy nee Wertheimer and it is part of a school assignment made by Tobias Scarpa (my husband's son) when they asked him to tell an immigration story

WERTHEIMER, THE VALUE OF HOME

Paradoxically the last name of my interviewed, it is translated into Spanish as, the value of home, when we are talking about a person who was stripped of her home at age twelve and had to form a new one to an ocean away, in the middle of the nothing.

The story I am about to tell is already known by some people at school because my brother interview Edith a few years ago , but I am going to tell my part of Edith's life.
She told me that she had to emigrate at the age of twelve from Germany, due to the growing Nazism that later unleashed in World War II. His father, realized that they had to leave their home, due to the lack of respect in the streets, the closing of bars and bookstores of Jewish owners, economic boycott etc. - “Once the Nazi soldiers entered my house, trying to take my dad, luckily he was not there,but they looked for him even in the closets. And I had to change schools because they no longer accepted me as a person ”-.
It was the year 1938. There was no time, no possibility to choose where to emigrate. Two ships left, one to the United States and one to Argentina. The first ship was destined for Argentina and that was the one that the Wertheimer family took. Although not everyone was able to leave there.- “My grandmother ( Meta Frankenberg) lived in a nursing home and we could not take her, so my mother (Else Wertheimer) wrote twelve letters with advanced dates to be given in the absence of the family, once a month. I never saw her again ”-.
They arrived in March 1938, a total change of life for the family .- "For me it was like an adventure" -. The deepest change was to leave a developed country, with all the services and comforts it could have, and go to the middle of the rural side without water, electricity or gas. To go from playing with friends at school brakes, to entertain with cows and wait for the chicken give an egg.
What I value in this part of the story is that she lived it with joy, as a positive life change, because despite the fact that life in the countryside was very hard, they were safe. She told me that for her it was like being at Disney.
She also told me that when she lived in Germany, her mother made her listen to classical music of the country (Wagner, Mozart, Bach, etc.), but when she came to Argentina the only thing she heard was the radio, (folklore and tango), coming from other houses when the wind was blowing on their home direction.
The monthly fun was to accompany her father to do the shopping in the town by cart, and there he bought her a water based strawberry ice cream.
The years went by and Edith was growing up, she met her husband who, like her, was a consequence of the Nazi persecution.
At eighteen he had his first child, the following year he gave birth to the second and seven years later the third was born. They moved to Buenos Aires in 1955, therteen years later he had his first female daughter.
In Argentina they were able to manifest themselves as Jews in freedom, transmit Jewish traditions to their children and live it naturally.
Edith become a widow a little over ten years ago. Now, at 89 years old she is living alone in an apartment in Belgrano neighborhood, she is independent and in very good health. She has a very intense social life and has many friends who are also German Jewish immigrants. Although they have been living in the country for more than 60 years, their German accent can still be noticed.
Edith deals very well with technology, uses the computer, the Tablet and communicates by WhatsApp and Skype with her children living in Israel.
“From the day I arrived in Argentina I felt the warmth of the Argentines as a great value and very different from that of the Germans, today almost eighty years of living in this country I still think the same and I am very happy with the affection and warmth with which the Argentine people have always treated me ”.

I sat for lunch with Edith and her daughter. I asked her if she could tell me about her story of the Nazism, I recorded that and it lasts 30 minutes. Then I cut the audio and with the help of Andrea, (Edith's youngest daughter) I was able to make the text.
I want to thank Edith for helping me to do the practical work and for her daughter who collaborated with her presence.

This testimony will become a legacy because soon there will be no more living people who can tell it in first person.


Tobias Scarpa
Buenos Aires , June 2015
Andrea levy Andrea levy
Was folgt ist ein Teil der Lebensgechichte von Edith Levy nee Wertheimer. Tochter von Nathan und Else Wertheimer. Enkeltochter von Meta un Max Frankenberg. Alle Coburger
Edith ist in Coburg am 8 Februar 1926 geboren
Ich bin Andrea Levy, Ediths Tochter, ich wohne in Argentinien und der Text hier unten ist eine Schulaufgabe von der Sohn meines Mannes ( Nicolas Scarpa). Er sollte eine Geschichte von Immigranten für die Schule erzählen. Also er saß mit meiner Mutter vor 10 Jahren , als sie 86 Jahre alt war und sie erzählte ihn die folgende Geschichte.
Das Interwiev ist originell auf Spanisch geschrieben, ich habe es übersetzt, ich entschuldige mich für mein Deutsch. Vielen Vielen Dank an die ersteller dieser Webseite und ganz besonders an Gaby Schuller, die die Geschichte unsere Uhrgroßmutter zur Licht brachte

FÜR MICH HITLER WAR DER BÖSE MANN
Die meisten Menschen wissen, was in Deutschland ab 1933 mit der Machtübernahme Hitlers und des Nationalsozialismus geschah.
Aber nur wenige von uns haben das Glück, ein echtes Zeugnis von jemandem zu hören, der dort war.
Was ich erzählen werde, geschah zwischen 1933, bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in Coburg (Deutschland) und ging in Argentinien weiter.
Es ist die Geschichte eines Mädchens, das eine so schreckliche Zeit durchlebt hat und dass sie mir heute mit 85 Jahren erzählt.
„Ich heiße Edith. Ich lebte mit meiner Familie in einer schönen deutschen Stadt ( Coburg).
Ich hatte eine normale Kindheit. Ich lebte mit meinen Eltern und meiner Großmutter. Ich hatte Freunde und besuchte eine öffentliche Schule in der nähe meines Hauses.
Eines Tages sagte mir plötzlich ein kleiner Freund: "Sie lassen mich nicht mehr mit dir spielen, weil du Jude bist."
Ich konnte nicht verstehen warum mein Freund solche W´rter zu mir sagte und meine Eltern haben mir nichts erklärt. Aber von diesem Moment an veränderte sich mein Leben.
Eines Mittags, als ich von der Schule nach Hause kam, waren zwei Männer in schwarzen Uniformen in meinem Haus, sie schauten in die Schränke herein. Sie suchten suchten meinen Vater, um ihn mitzunehmen.
Zum Glück fanden sie ihn nicht, da mein Vater, der die Situation gut kannte, sich auf einer Farm christlicher Menschen versteckt hatte, die ihm halfen. Er blieb eine Weile dort, bis er nach Hause zurückkehrte.
Sobald mein Vater zurückkam, zogen wir um und ich musste die öffentliche Schule verlassen, um eine Schule für jüdische Kinder zu besuchen. Ich war sieben Jahre alt.
Ich erinnere mich so an Hitlers Aufstieg zur Macht: uniformierte Männer marschieren die Straße entlang. Seine schreiende Rede. Der neue Gruß ... Die Musik und der militärische Marsch waren von meinem Haus aus zu hören. Ich hatte Angst und fühlte mich unwohl, als ich es hörte.
Für mich war Hitler der böse Mann.
Zuerst, als Hitler sein Amt antrat, drehte niemand meinem Vater den Rücken zu, aber später konnten sie nicht mit ihm handeln, weil es verboten war.
Mein Vater hatte einen sehr starken Charakter und als er den wirtschaftlichen Boykott spürte, begann er darüber nachzudenken Deutschalnd zu verlassen und uns alle herauszuholen.
Eines Nachmittags nahmte mich mein Vater zum Spielpatz und während ich spielte, saß er auf einer Bank. Eine Person ging vorbei und sagte zu uns: "Scheiß Juden."
Mein Vater nahm mich bei der Hand, führte mich nach Hause und als wir ankamen, sagte er zu meiner Mutter: "Wir müssen das Land verlassen."
Ich hörte das Wort Argentinien für das erste Mal und wusste nicht, zu dieser Zeit was bedeutete nach Argentinien zu gehen, so ein fremdes und weit weg Land.
Ich habe Argentinien mit Albesinia verwechselt (einem afrikanischen Land, das mehr als dreißig Jahre im Krieg war) und versatnd nicht, warum meine Eltern dorthin wollten. Aber dann erklärten sie mir, dass Argentinien in Südamerika war.
Auf jeden Fall gab es keine Zeit zu wählen, wir waren wie verschwollene, die sich an die erste Rettungsleine anhalten.
Was mich am meisten wehtan Deutschland zu verlassen, waren meine Freunde und mein Onkel (die ich nie wieder gesehen habe).
Die Schiffsfahrt dauerte drei Wochen. Mit einem sehr schlechten Start aufgrund von Schwindel und einigen Reisebegleitern, die voller Läuse in Portugal auftauchten. Aber nachdem wir uns angepasst hatten, fing ich an, im Deck zu sein, zu spielen usw. und sehen, was uns erwartete. Für mich war es wie ein Abenteuer, aber meine Mutter weinte ununterbrochen die ganze Fahrt.
Wir kamen im März 1938 in Buenos Aires an. Wir blieben drei Tage in der Stadt und dann brachten sie uns aufs Land. Zu einem Ort namens Rivera (in La Pampa) mitten auf dem Feld. Von mittel Europa nach Rivera das war ein ganz grosser Unterschied.
Ich war 12 Jahre alt, ich bin nicht zur Schule gegangen (weil es keine Schule auf dem Land gab). Es gab auch keinen Strom, kein Gas oder fließendes Wasser. Es schien mir auf Safari zu sein, mich machte Spass . Aber ich wiederhole, meine Mutter hat Tag und Nacht geweint.
Wir bildeten eine Kolonie von zwölf Familien mit vielen Kindern, von denen ich die jüngste war.
Wir hatten Spaß in den verschiedenen Häusern. Mütter machten Kuchen, machten Limonade.
Wir hatten überlebt, wir lebten ohne Gefahr und das war das Wichtigste.
Als der Krieg deklariert wurde, hörten wir es im Radio. Wir haben die Nachrichten aus Europa jeden Tag gehört. Mein Vater versuchte den Rest seiner Familie zu retten und zu bringen, aber es war zu spät. Sie wurden ins Konzentrationslager gebracht und wir haben nie wieder von ihnen gehört.
Während in Europa dieser schreckliche Krieg stattfand, lebten wir in Argentinien in Harmonie und mit einer akzeptablen Wirtschaft.
Ich habe viele Jahre auf dem Land gelebt. Dort habe ich einen Jungen kennengelernt, auch einen Immigrant ( aus Steimel), mit dem ich heiratete, ich hatte drei Kinder und dann kamen wir nach Buenos Aires, wo ich meine vierte Tochter hatte.
Ich sage immer, egal wie schwer es war, im Camp habe ich viel glernt. Jeden Fortschritt, jede Leistung zu schätzen und mich nicht über Kleinigkeiten zu beschweren. Für mich war es eine Schule des Lebens.
Bis heute lebe ich in diesem Land Argentinien, von dem ich mich total Teil fühle. Ich bin dankbar zu diesem Land, ich schätze die Wärme der menschen hier, und wie sie uns empfangen haben und von der ich mich nie fliehen musste.
Ich besuchte Deutschland zwei Mal mit meinem Mann (der eine ähnliche Geschichte wie ich hatte).
Wir haben gelernt zu vergeben und zu versuchen, weiterzumachen, obwohl es Wunden gibt, die niemals heilen.“
Nicolas Scarpa
Buenos Aires, April 2011
Oberbürgermeister Dominik Sauerteig Oberbürgermeister Dominik Sauerteig
Vor einigen Jahren konnte ich im Konzentrationslager Auschwitz Esther Bejarano, eine Holocaust-Überlebende, persönlich kennenlernen. Sie berichtete von grenzenloser Unmenschlichkeit durch die Nazis. Und die Nationalsozialisten gingen auch bei uns in Coburg mit unglaublicher Brutalität gegen Juden, Kommunisten, Gewerkschafter und Sozialdemokraten vor.

Zur Erinnerung an die vielen Opfer des NS-Regimes in Coburg leisten Akteure der Coburger Stadtgesellschaft einen Beitrag von hohem Wert. Gegen das Vergessen. Zur Erinnerung und Mahnung: Nie wieder!

Ich bin den Initiatoren der hiesigen virtuellen Ausstellung über die Coburger Juden daher sehr dankbar für diesen weiteren Mosaikstein der Coburger Erinnerungskultur. Vielen Dank!