Abraham Friedmann (Autenhausen 1873 – 1938 Paris)

Friedmann hatte während des Ersten Weltkrieges die Fleischversorgung der Coburger sichergestellt. Gut verdienend, erwarb er 1918 eine Villa und investierte in die Fleischfabrik Großmann. Weil sie seinen Anteil nicht zurückzahlen konnte, übernahm Friedmann 1922 die nunmehrige Großmann AG als Hauptaktionär.

Während des Nazi-Aufmarsches Mitte Oktober 1922 in Coburg unterstellten die Nazis ihm, linke Gegendemonstranten „gekauft“ zu haben.

1928/29 verlangten die Coburger Nazis von der Stadt, eine Ehrung Friedmanns zu unterlassen. Hiermit erfolglos, initiierten sie mittels Volksbegehrens im Juni 1929 die Neuwahl des Stadtrates, aus der sie – erstmals in Deutschland – als Mehrheitsfraktion hervorgingen.

Nach Hitlers Kanzler-Ernennung folterten Coburger Nazis im März 1933 Friedmann, der über Berlin und Bern nach Paris floh. Zeitgleich entzogen sie ihm seine Firma Großmann und sein Kapital. Mittellos konnte er die Zinsen einer seit 1930 auf seiner Villa lastenden Hypothek nicht mehr bezahlen, die im Zuge der „Arisierung“ von Friedmanns Eigentum Ende 1935 an Max Brose und Ernst Jühling zwangsversteigert wurde.

1938 starb Abraham Friedmann in Paris.

Dr. Hubertus Habel, Coburg

Villa Friedmann

Die ehemalige Villa Friedmann, Ketschendorfer Str. 2,  wird nach der Restaurierung heute als Pension genutzt.

Foto: Hubert Fromm